ChatGPT oder Claude zum Deutschlernen? Was die beiden wirklich unterscheidet
Zum Deutschlernen ist keines der beiden „besser", sie sind unterschiedlich stark. ChatGPT gewinnt beim Sprechen, weil sein Sprachmodus ausgereifter und mehrsprachig ist. Claude gewinnt beim Schreiben, mit nuancierter Korrektur und einem großen Kontextfenster für lange Texte. Für Vokabeln und Grammatik sind beide gut. Das beste Setup nutzt beide. Für die telc-Prüfung ist allerdings keines gebaut.
Von Ela Zakrzewska, telc B2 Prüferin seit 20+ Jahren.
Seit ChatGPT und Claude beide gut Deutsch können, höre ich dieselbe Frage immer wieder.
„ChatGPT oder Claude zum Deutschlernen?" (häufige Frage von Deutschlernenden)
Die ehrliche Antwort ist nicht „nimm dieses". Sie ist „kommt drauf an, was du üben willst". Die beiden Werkzeuge sind unterschiedlich gebaut, und wer das versteht, nutzt jedes für das, was es am besten kann. Hier ist der Vergleich, ohne Lager und ohne Werbung.
- Die kurze Antwort
- ChatGPT: stark im Sprechen
- Claude: stark im Schreiben
- Wo beide gleich gut sind
- Das beste Setup: beide kombinieren
- Und für die telc-Prüfung?
- Was du jetzt tun kannst
Die kurze Antwort
Die beiden haben verschiedene Stärken, und für Deutschlernende lassen sie sich klar zuordnen:
| ChatGPT | Claude | |
| Sprechen (Sprachmodus) | Ja, ausgereift und mehrsprachig | Ja (Beta), stärker auf Englisch ausgelegt |
| Schreiben und Korrektur | Stark | Stark, oft für Nuance bevorzugt |
| Lange Texte am Stück | Gut | Größeres Kontextfenster |
| Bilder erzeugen | Ja | Nein |
| Gratis-Stufe | Ja, etwas großzügiger | Ja |
| Fester Arbeitsbereich | Eigene GPTs | Projekte |
| telc-Bewertungskriterien | Kennt es nicht | Kennt es nicht |
Beide kosten in der Bezahlversion rund 20 US-Dollar im Monat, beide haben eine brauchbare Gratis-Stufe. Der Preis entscheidet also nicht. Die Funktion entscheidet.
ChatGPT: stark im Sprechen
Die wichtigste Funktion für Sprachenlernende ist der Sprachmodus. Du sprichst mit ChatGPT wie mit einem Menschen, fast ohne Verzögerung, unbegrenzt oft. Für eine Sprache, in der man vor allem Mund und Ohr trainieren muss, ist das wertvoll. Claude hat inzwischen ebenfalls einen Sprachmodus (Beta), der aber neuer und stärker auf Englisch ausgelegt ist. Für deutsches Sprechen ist ChatGPTs Sprachmodus derzeit ausgereifter und klar mehrsprachig.
Dazu kommt mehr Drumherum: ChatGPT kann Bilder erzeugen, im Web suchen, und du kannst dir eigene GPTs bauen, etwa einen „Deutsch-Tutor B2". Die Gratis-Stufe ist außerdem etwas großzügiger.
Fazit: Zum Sprechen üben ist ChatGPT die klare Wahl.
Eine ehrliche Einschränkung: Der Sprachmodus lobt dich oft, auch wenn deine Aussprache nicht stimmt. Er korrigiert dich nicht von selbst. Bitte also ausdrücklich um Korrektur, sonst übst du Fehler ein.
Claude: stark im Schreiben
Beim geschriebenen Wort drehen sich die Stärken. Viele, die beruflich schreiben, bevorzugen Claude für nuancierte, sorgfältige Korrektur und für Erklärungen, die in die Tiefe gehen.
Zwei Funktionen helfen Lernenden besonders:
- Großes Kontextfenster. Du kannst einen langen Text komplett einfügen und bekommst zusammenhängendes Feedback über den ganzen Text, nicht nur über einen Abschnitt.
- Projekte. Ein fester Arbeitsbereich mit eigenen Anweisungen. Du legst einmal fest „Korrigiere mich immer auf B2-Niveau und erklär jede Änderung", und musst das nicht in jedem Chat neu eingeben.
Fazit: Für Schreib-Feedback, Grammatik in der Tiefe und lange Texte ist Claude stark.
Eine ehrliche Einschränkung: keine Bildgenerierung, und der Sprachmodus ist neuer und stärker auf Englisch ausgelegt. Zum Üben von deutschem Sprechen ist ChatGPT derzeit die rundere Wahl.
Wo beide gleich gut sind
Bei vielen Alltagsaufgaben nehmen sich die beiden wenig:
- thematische Vokabellisten mit Beispielsätzen
- Grammatik einfach erklären
- Lesetexte auf deinem Niveau erzeugen
- schnelle Fragen zur Sprache beantworten
Für diese Dinge nimm einfach das, was gerade offen ist.
Und ein Punkt gilt für beide: Sie sind im Deutschen schwächer als im Englischen, und beide können dir eine Grammatikregel selbstbewusst erklären, die es nicht gibt. Prüfe Wichtiges immer gegen eine verlässliche Quelle.
Das beste Setup: beide kombinieren
Jeder ehrliche Vergleich kommt zum selben Schluss: Wer kann, nutzt beide. Sie sind günstig und ergänzen sich.
Für Deutschlernende heißt das konkret:
- ChatGPT zum Reden. Sprachmodus für unbegrenztes Gesprächstraining.
- Claude zum Schreiben. Nuancierte Korrektur und lange Texte, mit einem Projekt als festem Arbeitsbereich.
- Vokabeln und Grammatik auf dem, was gerade offen ist.
Die Gratis-Stufen reichen, um beide zu testen, bevor du für eines zahlst. Probier eine Woche und schau, welches sich für dich richtig anfühlt.
Und für die telc-Prüfung?
Hier ist der Haken, der für beide gilt: Keines von beiden ist für die telc-Prüfung gebaut.
Keines kennt die echten Bewertungskriterien. Keines bildet die Paarprüfung nach. Und beide erfinden dir eine Bewertung, die plausibel klingt und trotzdem falsch ist. Wie die telc B2 wirklich bewertet wird, liest du im Artikel zur Bewertung. Warum generische KI bei der Prüfungsvorbereitung genau scheitert, im Folgeartikel dazu.
Die Faustregel bleibt: Nutze ChatGPT und Claude für die Sprache, ein telc-Werkzeug für die Prüfung. Genau dafür bauen wir Knaxx: einen Prüfungspartner, der die echten Kriterien kennt. Du kannst die Beta jetzt testen auf app.knaxxdeutsch.de/signup.
Knack die Sprache mit den richtigen Werkzeugen.
Was du jetzt tun kannst
- Zum Sprechen: ChatGPT mit Sprachmodus, und bitte aktiv um Korrektur.
- Zum Schreiben: Claude, am besten mit einem Projekt und der Anweisung, auf B2-Niveau zu korrigieren.
- Schreib immer zuerst selbst, dann korrigieren lassen, bei beiden.
- Prüfe Regeln gegen eine verlässliche Quelle. Beide erfinden gelegentlich welche.
- Für die telc-Prüfung: Verlass dich nicht auf die Bewertung von ChatGPT oder Claude. Mehr im Folgeartikel.
Es geht nicht um das eine richtige Werkzeug. Es geht darum, jedes für das zu nutzen, was es am besten kann.
ChatGPT oder Claude zum Deutschlernen: die häufigsten Fragen
ChatGPT oder Claude: was ist besser zum Deutschlernen?
Es kommt darauf an, was du übst. ChatGPT ist stärker im Sprechen, weil sein Sprachmodus ausgereifter und mehrsprachig ist. Claude ist stärker im Schreiben, mit nuancierter Korrektur, einem großen Kontextfenster für lange Texte und Projekten als festem Arbeitsbereich. Für Vokabeln und Grammatik sind beide gut.
Hat Claude einen Sprachmodus zum Sprechen üben?
Ja. Claude hat einen Sprachmodus als Beta-Funktion auf allen Plänen, für vollständige gesprochene Gespräche. Er ist allerdings neuer und stärker auf Englisch ausgelegt. Zum Üben von deutschem Sprechen ist ChatGPTs Advanced Voice Mode derzeit ausgereifter und klar mehrsprachig.
Welche KI korrigiert Texte besser, ChatGPT oder Claude?
Viele Schreibende bevorzugen Claude für nuancierte, sorgfältige Korrektur und Erklärungen, gerade bei längeren Texten, weil das Kontextfenster größer ist. ChatGPT korrigiert ebenfalls gut und bietet mehr Drumherum. Bei beiden gilt: schreib zuerst selbst, dann korrigieren lassen, und prüfe Regeln gegen eine verlässliche Quelle.
Sind ChatGPT und Claude kostenlos?
Beide haben eine kostenlose Stufe, die zum Üben taugt, und beide kosten in der Bezahlversion rund 20 US-Dollar im Monat. ChatGPTs Gratis-Stufe ist etwas großzügiger und enthält mehr Funktionen. Zum Ausprobieren reichen die kostenlosen Versionen gut aus.
Reicht ChatGPT oder Claude für die telc-Prüfung?
Für die Sprache ja, für die Prüfung allein nicht. Keines der beiden kennt die echten telc-Bewertungskriterien, keines bildet die Paarprüfung nach, und beide erfinden plausibel klingende Bewertungen. Für die Prüfungsvorbereitung brauchst du ein Werkzeug, das für telc gebaut ist, wie den Knaxx Prüfungspartner.
Über die Autorinnen
Ela Zakrzewska unterrichtet seit über zwanzig Jahren telc B2 und hat hunderte Briefe nach den offiziellen telc-Kriterien korrigiert und hunderte Prüfungen begleitet. Sie ist in Litauen geboren und hat in Polen, Deutschland, Belgien und Großbritannien gelebt und gearbeitet. Diese fünf Länder, fünf Sprachen und die Netzwerke, die sie über die Jahre weltweit aufgebaut hat, prägen den Knaxx-Ansatz: Prüfungswissen, das jede Erstsprache berücksichtigt, und eine Strategie, die für Einwanderer in Deutschland funktioniert, weil sie selbst eine ist.
San Pham Tu ist promovierte KI- und Datenwissenschaftlerin und Mitgründerin von Knaxx. Sie übersetzt Elas zwei Jahrzehnte Prüfungsexpertise in Systeme, die hunderte Lernende gleichzeitig erreichen, ohne dass die Bewertungslogik verloren geht. Sie und Ela haben sich als Prüfungspartnerinnen in einer Sprachprüfung kennengelernt. Jetzt bauen sie gemeinsam den Prüfungspartner, den sich beide damals gewünscht hätten.